Presse

SunThink: Jalousien mit integrierter Photovoltaik

"Lange Zeit war es nur eine Idee, die aber immerhin schon als Patent angemeldet ist - jetzt lässt sich sogar als Funktionsmodell vorführen, was der Münchner Ingenieur Valentin Hordijenko als Sonnenschutz mit integrierter Solarstromerzeugung erdacht hat: Automatisch dem Sonnenstand angepasste Jalousien, wie sie in Büro- und Verwaltungsgebäuden großflächig installiert werden, könnten mit Dünnschichtsolarzellen eine symbiotische Verbindung eingehen. Der Gedanke ist nicht neu, bei einschlägigen Projekten kamen bisher allerdings vorwiegend Glas-Glas-Module zum Einsatz. Hordijenko schweben dagegen Dünnschichtsolarzellen auf Metallsubstrat vor. Damit ließen sich Lamellen fertigen, die sich äußerlich praktisch nicht mehr von denen in herkömmlichen Jalousien unterscheiden würden. Diese Variante wäre entsprechend leicht zu montieren, flexibel an unterschiedliche architektonische Konzepte anzupassen und außerdem auch für einen nachträglichen Einbau geeignet. Unter dem Projektnamen "SunThink – Photovoltaik im Bauwesen" machte sich Hordijenko auf die Suche nach Partnern.


Funktionsmodell der "SunThink"-Solarlamellen:
Was derzeit noch mit aufgeklebten Glas-Modulen simuliert wird, sollen später Dünnschichtsolarzellen auf Metallsubstrat erledigen.

Unterstützung fand er beim Solarenergieförderverein Bayern und vor allem der Technischen Universität München. Am Lehrstuhl für Thermodynamik befasst sich seit einigen Monaten eine Gruppe um den Ingenieur Markus Spinnler mit den Solarlamellen. Lediglich die Bemühungen, einen Partner in der Industrie zu finden, bleiben bislang vergeblich. Niemand, so Hordijenko, erklärte sich bereit, eine Kleinserie von Modulen für einen Prototyp anzufertigen. Dennoch ist auf dem „Fassadenprüfstand“ der TU München, wo man normalerweise das Strömungsverhalten von Doppelfassaden untersucht, nun ein Funktionsmodell installiert worden. Die Techniker behalfen sich hierfür zunächst einmal mit Dünnschichtmodulen aus amorphem Silizium von RWE Schott Solar, die allerdings Glas als Trägermaterial nutzen. Sie wurden in dünne Streifen zerteilt und dann jeweils drei auf eine Lamelle geklebt – so lässt sich zumindest modellhaft nachstellen, was in der späteren Praxis relevant sein wird: Die einzelnen Lamellen einer Jalousie sind immer teilweise verschattet. Schon jetzt, so Spinnler, könne man eigentlich sicher sagen, dass der hintere Bereich der Lamelle nicht photovoltaisch aktiv sein muss, da er ohnehin kaum Licht abbekommt.

Andere Faktoren lassen sich nicht so leicht prognostizieren, sie sollen nun mit Hilfe des Modells erkundet werden. Vor allem geht es darum, die Ertragspotenziale der künftigen Solarlamellen zu simulieren. Von den Ergebnissen darf man sich Aufschluss darüber erwarten, wie teuer ein Serienprodukt sein darf, um eine reelle Marktchance zu haben. Nach seinen bisherigen Berechnungen geht Hordijenko davon aus, dass sein Patent gegenüber herkömmlichen Sonnenschutzsystemen etwa 500 Euro pro Quadratmeter an Mehrkosten mit sich bringt, die sich durch die im Erneuerbare-Energie-Gesetz garantierte Einspeisevergütung – für gebäudeintegrierte Anlagen derzeit 59,53 Cent pro Kilowattstunde – an Südfassaden nach neun und an der West- und Ostseite von Gebäuden nach zwölf bis dreizehn Jahren amortisiert haben könnten. Allerdings sinkt der Vergütungssatz bekanntlich um fünf Prozent jährlich, und bis das SunThink-Projekt ein lieferbares Produkt mit sich bringt, dürfte es selbst bei günstigem Verlauf wohl noch ein wenig dauern."

Artikel veröffentlicht in der
Photon vom September 2005
Autor: Chefredakteur Jochen Siemer